Warum tränen die Augen bei Babys so häufig?
Tränende Augen, feuchte Wimpern oder gelbliche Verkrustungen am Morgen verunsichern viele Eltern. Häufig liegt die Ursache jedoch in einer angeborenen Verengung der Tränenwege, medizinisch als Dakryostenose bezeichnet. Diese ist bei Neugeborenen weit verbreitet und in den meisten Fällen harmlos.
In diesem Beitrag erklären wir, warum dieses Phänomen bei Babys so häufig vorkommt, wie Sie die natürliche Heilung sanft unterstützen können und wann eine augenärztliche Abklärung sinnvoll ist.
Was ist eine Dakryostenose beim Baby?
Unter einer Dakryostenose versteht man einen angeboren verstopften Tränenkanal, bei dem die Tränenflüssigkeit nicht richtig in die Nase abfließen kann.
Wie funktionieren die Tränenwege?
Normalerweise werden Tränen über kleine Öffnungen am Lidrand (Tränenpunkte) in feine Kanäle geleitet, die in der Nase münden. Bei vielen Neugeborenen ist dieser Abfluss jedoch noch nicht vollständig geöffnet.
Die Rolle der Hasner-Klappe
Am unteren Ende des Tränenkanals befindet sich eine dünne Schleimhautmembran, die sogenannte Hasner-Klappe. Ist diese noch verschlossen, stauen sich die Tränen im Auge. Das führt zu ständigem Tränenfluss und begünstigt bakterielle Besiedelung.
Typische Symptome eines verstopften Tränenkanals
Eltern bemerken häufig folgende Anzeichen:
- dauerhaft tränendes Auge (ein- oder beidseitig)
- feuchte Wimpern oder Verklebungen am Morgen
- gelbliches oder leicht eitriges Sekret
Wichtig: Ein tränendes Auge ohne starke Rötung oder Schmerzen spricht meist für eine Dakryostenose und nicht für eine Bindehautentzündung.
Was können Eltern bei einem verstopften Tränenkanal tun?
In etwa 90 % der Fälle öffnet sich der Tränenkanal im ersten Lebensjahr von selbst. Sie können diesen natürlichen Prozess sanft unterstützen.
Tränenwegs-Massage beim Baby
Die Tränenwegs-Massage gilt als effektivste Maßnahme:
- Mit sauberen Fingern sanften Druck zwischen innerem Augenwinkel und Nasenwurzel ausüben
- Mehrmals täglich leicht nach unten streichen
- Ziel ist es, den Druck im Tränenkanal zu erhöhen und die Hasner-Klappe zu öffnen
Sanfte Augenreinigung
- Verklebungen vorsichtig mit sterilem Pad und lauwarmem, abgekochtem Wasser entfernen
- Immer von außen nach innen zum Augenwinkel hin wischen
Reizfaktoren vermeiden
Zugluft, Rauch oder stark parfümierte Produkte können die empfindlichen Babyaugen zusätzlich reizen und sollten vermieden werden.
Wann sollte ein Augenarzt aufgesucht werden?
Eine augenärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn:
- das Auge deutlich gerötet ist
- das Augenlid geschwollen oder überwärmt erscheint
- dauerhaft eitriges, gelb-grünliches Sekret austritt
- Ihr Baby das Auge schmerzbedingt kaum öffnet
In diesen Fällen kann eine behandlungsbedürftige Entzündung vorliegen.
Welche Behandlung gibt es, wenn der Tränenkanal verstopft bleibt?
Besteht die Verstopfung über das erste Lebensjahr hinaus, wird eine spontane Öffnung immer unwahrscheinlicher.
Tränenwegsspülung oder -sondierung
Die Tränenwegssondierung ist ein kurzer, routinemäßiger Eingriff, bei dem die Blockade mechanisch geöffnet wird. Sie führt meist zu sofortiger und dauerhafter Besserung und entlastet das Auge nachhaltig.
Fazit: Tränende Babyaugen sind meist harmlos
Ein verstopfter Tränenkanal beim Baby ist häufig, gut behandelbar und heilt in den meisten Fällen von selbst aus. Mit Geduld, richtiger Massage und augenärztlicher Begleitung sorgen wir gemeinsam dafür, dass sich die empfindlichen Babyaugen gesund entwickeln.