Kunst & Kultur

Angst und Ängste – So sehen wir Risiken

Angenehm ist sie nicht, die Angst. Genau wie der Schmerz schützt sie uns aber davor, gedankenlos von einem Verderben in das nächste beziehungsweise in das gleiche zu geraten. Angst äußert sich körperlich unter anderem durch Pulsbeschleunigung und Erweiterung der Pupillen. Psychisch äußert sie sich als Gefühl des Entsetzens. Dabei ist Angst aber nicht nur eine lähmende, sondern auch eine mobilisierende Emotion. So sind Menschen, die sich vor einer drohenden Gefahr ängstigen, manchmal zu Leistungen fähig, die ihnen unter normalen Umständen nicht möglich gewesen wären. In Gefahrensituationen schüttet die Nebennierenrinde die Hormone Adrenalin und Noradrenalin aus. Sie sorgen für einen schnelleren Herzschlag und eine stärkere Versorgung mit Sauerstoff. So können wir schneller fliehen.

Wir lernen aus negativen Erfahrungen und fürchten uns davor, erschreckende Situationen erneut zu erleben. Das macht Sinn. Unser abstraktes Denkvermögen lässt uns allerdings auch – anders als die meisten Tiere es tun – Gefahren abstrakt antizipieren und eine Risikoeinschätzung aus Gedankenkonstrukten erstellen.

In der Psychologie wird zwischen Angst als Zustand (state anxiety) und Angst als Eigenschaft (trait anxiety) unterschieden. Während die Zustandsangst eine vorübergehende Emotion infolge einer realen Gefahr ist, führt die Eigenschaftsangst dazu, dass Situationen auch ohne akute Bedrohung als gefährlich eingeschätzt werden.

Die Eigenschaftsangst treibt mitunter ungesunde Blüten. Phobien zum Beispiel zeichnen sich dadurch aus, dass bestimmte Situationen oder Dinge bei den Betroffenen Todesängste auslösen, ohne dass eine reale Gefahr besteht. Die Höhenangst oder die Angst vor Spinnen sind sozusagen Phobie-Klassiker.

Wenn Angst pathologische, also krankhaft-obsessionelle Formen annimmt, sollte sie therapiert werden. Denn Angst kann zu emotionalen Dauerschäden führen, sei es zu "chronischer Panik" oder einer dauerhaften "pessimistischen Erwartungshaltung".

Ein heute oft gewählter Weg zur Überwindung von Phobien ist die Konfrontationstherapie, bei der der Patient immer wieder der ihn ängstigenden Situation ausgesetzt wird. Konkret: Wer Angst vor Spinnen hat, wird behutsam daran gewöhnt, mit Spinnen halbwegs angstfrei umzugehen. Die Angst wird quasi wegtrainiert, wenngleich das Angstgedächtnis bestehen bleibt.

In Wohlstandsgesellschaften treten zunehmend soziale und Zukunftsängste auf. Die Angst vor Arbeitslosigkeit, Armut oder gesellschaftlichem Versagen kann für manche Menschen zum zentralen Problem werden. Angst vor Ausbeutung und Zerstörung der Umwelt wird vor allem von jüngeren Menschen häufig als einschränkend und sehr belastend bezeichnet.

Angstforscher haben herausgefunden, dass unsere Risikoeinschätzung weitgehend irrational abläuft. Wer freiwillig Risiken eingeht, begegnet diesen gerne mit einer “Wird-schon-gutgehen-Mentalität”, die beispielsweise für Auto-Raser oder auch Raucher statistisch unangemessen ist.

Das beste Mittel gegen Sorgen und Ängste: Sich mitteilen. Wenn man gründlich über die Sorgen spricht, reduziert sich die Anspannung erheblich und Ängste können abgebaut werden.