Gerade in den Sommermonaten und während anhaltender Hitzewellen klagen viele Menschen über brennende, trockene oder gerötete Augen. Was oft als harmlose Begleiterscheinung des warmen Wetters abgetan wird, hat eine messbare biologische Ursache: Die Kombination aus hohen Außentemperaturen, trockenem Fahrtwind und künstlicher Raumkühlung setzt unserem natürlichen Tränenfilm massiv zu. Die Folge ist das sogenannte „Trockene Auge“, das den Alltag spürbar einschränken kann.
Warum die Sommerhitze den Tränenfilm austrocknen lässt
Der Tränenfilm ist das Schutzschild unserer Augenoberfläche. Er bewahrt das Auge vor dem Austrocknen, schwemmt Fremdkörper aus und schützt vor Keimen. Dieser hauchdünne Film besteht aus drei Schichten – einer Schleimschicht, einer wässrigen Komponente und einer äußeren Fettschicht (Lipidschicht).
Steigen die Temperaturen im Sommer, passiert auf der Augenoberfläche das Gleiche wie in der Natur: Flüssigkeit verdunstet deutlich schneller. Die schützende Lipidschicht, die von den sogenannten Meibom-Drüsen am Augenlidrand produziert wird, kann die rasche Verdunstung der darunterliegenden wässrigen Schicht bei extremer Hitze und geringer Luftfeuchtigkeit oft nicht mehr vollständig verhindern. Die Augenoberfläche verliert ihren Schutz, brennt, rötet sich oder fühlt sich an, als befände sich Sand darin.
Die Klimaanlagen- und Ventilator-Falle
Wer der Hitze entfliehen möchte, sucht oft Zuflucht in klimatisierten Räumen oder schaltet im Auto die Lüftung hoch. Für die Augen bedeutet dies jedoch oft eine doppelte Belastung:
- Klimaanlagen: Sie senken die Luftfeuchtigkeit in Innenräumen. Die ohnehin beschleunigte Verdunstung des Tränenfilms wird durch die künstlich getrocknete Luft zusätzlich verstärkt.
- Ventilatoren und Gebläse: Ein direkter Luftstrom (ob im Büro, durch den Ventilator oder das Autogebläse) transportiert die Feuchtigkeit direkt von der Augenoberfläche ab.
Zusätzlich blinzeln wir bei der konzentrierten Arbeit am Bildschirm deutlich seltener. Die Kombination aus seltenem Blinzeln und bewegter, trockener Luft lässt den Tränenfilm lückenhaft werden.
Flüssigkeitszufuhr: Die Augen von innen hydratisieren
Um die Produktion der Tränenflüssigkeit aktiv zu unterstützen, reicht eine äußere Pflege oft nicht aus. Das Auge muss von innen heraus versorgt werden. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist an heißen Tagen essenziell.
- Trinken Sie mindestens zwei bis drei Liter Wasser oder ungesüßten Tee über den Tag verteilt.
- Vermeiden Sie übermäßigen Konsum von alkoholischen Getränken, da diese dem Körper zusätzlich Wasser entziehen.
- Unterstützen Sie Ihre Augen bei der Bildschirmarbeit. Schauen Sie alle 20 Minuten für 20 Sekunden auf ein Objekt in mindestens 6 Meter Entfernung und blinzeln Sie dabei bewusst mehrfach hintereinander, um den Tränenfilm neu zu verteilen.
Wann einfache Tipps nicht mehr ausreichen: Der Gang zum Augenarzt
Helfen regelmäßiges Trinken, das Meiden direkter Luftströme und die Anwendung konservierungsmittelfreier Benetzungstropfen (künstlicher Tränen) nicht ausreichend, sollte die Ursache augenärztlich abgeklärt werden. Anhaltende Beschwerden, starke Rötungen oder Schmerzen sind Warnsignale.
Häufig liegt die Ursache nicht an einem Mangel an Tränenwasser, sondern an einer Störung der Lidranddrüsen (Meibom-Drüsen-Dysfunktion). Ist deren Sekret zu zähflüssig oder verstopfen die Ausführungsgänge, fehlt dem Tränenfilm die schützende Fettschicht, und die Tränenflüssigkeit verdunstet unkontrolliert. In unseren Praxen untersuchen wir die genaue Zusammensetzung Ihres Tränenfilms und die Funktion Ihrer Liddrüsen präzise, um Ihnen eine maßgeschneiderte Therapie, beispielsweise durch gezielte Lidrandpflege oder modernste Behandlungsverfahren, anzubieten.
FAQ – Häufige Fragen zu trockenen Augen im Sommer
Frage: Warum tränen meine Augen bei Hitze, obwohl sie sich trocken anfühlen?
Antwort: Das ist eine typische Abwehrreaktion. Wenn die schützende Fettschicht des Tränenfilms durch die Hitze beschädigt wird oder die wässrige Schicht zu schnell verdunstet, registriert das Auge einen Feuchtigkeitsmangel. Das Gehirn signalisiert den Tränendrüsen daraufhin, reflexartig große Mengen wässriger Tränenflüssigkeit zu produzieren. Da diese Flüssigkeit jedoch nicht richtig auf der Augenoberfläche haftet, fließt sie über die Lidkante ab, ohne das Auge nachhaltig zu befeuchten.
Frage: Welche Augentropfen sind im Sommer am besten geeignet?
Antwort: Verwenden Sie bevorzugt konservierungsmittelfreie Benetzungstropfen mit Hyaluronsäure. Konservierungsmittel können die ohnehin beanspruchte Augenoberfläche bei häufiger Anwendung zusätzlich reizen. Präparate mit einem höheren Lipidgehalt (Fettanteil) eignen sich besonders gut, wenn Sie sich viel in klimatisierten Räumen aufhalten, da sie die Verdunstung des Tränenfilms verlangsamen.
Frage: Schützt eine Sonnenbrille auch vor trockenen Augen?
Antwort: Ja, eine gut sitzende Sonnenbrille erfüllt im Sommer eine doppelte Schutzfunktion. Neben dem wichtigen Schutz vor ultravioletter Strahlung (UV-Schutz) schirmt sie die Augen mechanisch vor warmem Fahrtwind, Zugluft und Allergenen wie Pollen ab. Dadurch wird die Verdunstung der Tränenflüssigkeit auf der Augenoberfläche direkt reduziert.
Frage: Wie erkenne ich, ob meine Lidranddrüsen verstopft sind?
Antwort: Eine Fehlfunktion der Lidranddrüsen (Meibom-Drüsen) äußert sich oft durch ein chronisches Sandkorngefühl, gerötete Lidränder, morgendliche Verkrustungen oder Augen, die trotz der Nutzung von normalen Augentropfen permanent weiterbrennen. Gewissheit bringt hier nur eine präzise Tränenfilmanalyse in der Augenarztpraxis.
Frage: Kann ich trotz trockener Augen im Sommer Kontaktlinsen tragen?
Antwort: Bei extremer Hitze und trockener Luft ist das Tragen von Kontaktlinsen oft unangenehm, da die Linsen wie ein Schwamm wirken und dem Auge zusätzliche Feuchtigkeit entziehen. Wechseln Sie an sehr heißen Tagen oder während langer Autofahrten mit Klimaanlage lieber auf eine Brille oder nutzen Sie spezielle Nachbenetzungstropfen, die für Kontaktlinsenträger geeignet sind.