Patientin bei der augenärztlichen Vorsorge Untersuchung der Makula in der Praxis veni vidi
Makuladegeneration AMD

Das Amsler-Gitter: Ein einfacher Selbsttest zur Früherkennung von Makulaveränderungen

Die Makula (der sogenannte „Gelbe Fleck“) ist das Zentrum unserer Netzhaut. Obwohl sie extrem klein ist, leistet sie Erstaunliches: Jedes Wort, das Sie auf dieser Seite lesen, und jedes Gesicht, das Sie scharf erkennen, verdanken Sie diesem winzigen Bereich in Ihrem Auge.

Tritt an der Makula eine Veränderung ein, beispielsweise durch eine Altersbedingte Makuladegeneration (AMD), bleibt dies im Alltag oft lange unbemerkt. Das hat einen einfachen Grund: Das gesunde Auge gleicht den Sehverlust des anderen teilweise aus. Zudem ergänzt das Gehirn fehlende Bildinformationen ganz automatisch. So kann es Monate dauern, bis Sie spüren, dass die Sehkraft eines Auges nachgelassen hat.

Hier setzt ein einfaches, aber bewährtes Hilfsmittel an, das in der Augenheilkunde seit Jahrzehnten geschätzt wird, dass so genannte Amsler-Gitter. Es ersetzt  keinesfalls die augenärztliche Untersuchung, dient Ihnen jedoch zu Hause als verlässliches Frühwarnsystem.

Was ist das Amsler-Gitter?


Das Amsler-Gitter, entwickelt vom Schweizer Augenarzt Marc Amsler, ist ein gedrucktes Netz aus feinen, gleichmäßigen Linien mit einem schwarzen Fixationspunkt in der Mitte.

Durch das Fixieren des Punktes trifft das gesamte Linienmuster exakt auf die Makula und deren unmittelbare Umgebung.

  • Bei gesunder Makula: Sie sehen ein perfektes Schachbrettmuster aus kerzengeraden Linien und gleich großen Kästchen.
  • Bei Makulaveränderungen: Das Bild wirkt verzerrt. Linien erscheinen wellig oder gebogen, Kästchen wirken ungleich groß, oder einzelne Bereiche sind von einem grauen Schleier beziehungsweise einem dunklen Fleck überlagert.

Der Test ersetzt keine Diagnose, gibt Ihnen aber ein wertvolles Signal, bei Veränderungen rechtzeitig einen Augenarzt aufzusuchen.

Anleitung: So führen Sie den Selbsttest zu Hause durch


Für den Test benötigen Sie lediglich einen Ausdruck des Amsler-Gitters. Die Vorlage können Sie sich ganz einfach im Internet herunterladen und ausdrucken.

  1. Lesebrille aufsetzen: Testen Sie Ihre Augen immer mit der Sehhilfe, die Sie üblicherweise zum Lesen verwenden.
  2. Abstand einhalten: Halten Sie den Ausdruck im normalen Leseabstand von ca. 30 bis 40 Zentimetern.
  3. Für gutes Licht sorgen: Achten Sie auf eine helle, blendfreie Umgebung.
  4. Ein Auge abdecken: Decken Sie ein Auge locker mit der flachen Hand ab, ohne Druck auf das Auge auszuüben.
  5. Punkt fixieren: Blicken Sie fest auf den Punkt in der Mitte. Lassen Sie Ihren Blick nicht wandern, da Sie das Gittermuster aus dem Augenwinkel wahrnehmen.
  6. Beobachten: Sind alle Linien gerade? Wirken alle Kästchen gleich groß? Fehlen irgendwo Teile oder wirken Bereiche verzerrt?
  7. Seitenwechsel: Wiederholen Sie die Schritte 4 bis 6 mit dem anderen Auge.

Wichtig: Decken Sie für den Test stets ein Auge ab. Sonst gleicht das stärkere Auge die Veränderungen der anderen Seite einfach aus und Sie bemerken mögliche Probleme nicht.

Die richtige Routine: Führen Sie den Test idealerweise einmal pro Woche durch, am besten am selben Wochentag bei gleichen Lichtverhältnissen. Erst die regelmäßige Wiederholung gibt Ihnen das Gefühl dafür, ob sich im Laufe der Zeit etwas verändert hat.

Für wen ist der Amsler-Test besonders wichtig?


Grundsätzlich profitiert jeder von der einfachen Kontrolle. Besonders empfohlen wird die wöchentliche Routine jedoch bei:

  • Bekannten Makulaerkrankungen zur Verlaufskontrolle
  • Höherem Lebensalter aufgrund des erhöhten Risikos für AMD
  • Starker Kurzsichtigkeit (Myopie)
  • Diabetes mellitus
  • Rauchern
  • Menschen mit familiärer Vorbelastung

Hinweis: Wenn Sie sich bereits wegen einer Erkrankung der Netzhaut in Behandlung befinden, stimmen Sie die Testfrequenz bitte individuell mit Ihrem behandelnden Augenarzt ab.

Was der Test leistet und wo seine Grenzen liegen


Das Amsler-Gitter prüft gezielt das zentrale Gesichtsfeld. Es liefert jedoch keine Erkenntnisse über den Augeninnendruck, den Sehnerv, die Linse oder die äußeren Bereiche der Netzhaut.

  • Ein unauffälliges Testergebnis ist eine gute Nachricht, ersetzt jedoch keinesfalls die reguläre Vorsorgeuntersuchung beim Augenarzt.
  • Ein auffälliges Ergebnis ist kein Grund zur Panik. Verzerrungen können verschiedene Ursachen haben, von denen viele heute sehr gut und effektiv behandelbar sind. Genaueres zeigt eine schmerzfreie Untersuchung in der Praxis, etwa durch eine Spiegelung des Augenhintergrunds oder moderne bildgebende Verfahren wie die OCT.

Wann Sie zeitnah einen Termin vereinbaren sollten


Sollte Ihnen eine der folgenden Veränderungen auffallen, sei es beim Amsler-Test oder im Alltag beim Blick auf Türzargen, Fliesenfugen oder Buchstabenzeilen, vereinbaren Sie bitte kurzfristig einen Kontrolltermin:

  • Gerade Linien wirken plötzlich gebogen, wellig oder unterbrochen.
  • In der Mitte Ihres Sehfeldes erscheint ein Schatten, Grauschleier oder dunkler Fleck.
  • Buchstaben wirken beim Lesen verzerrt oder einzelne Worte weisen Lücken auf.
  • Farben erscheinen auf einem Auge merklich blasser als gewohnt.

Wann es sich um einen Notfall handelt


Sollte es zu einer plötzlichen, deutlichen Sehverschlechterung kommen, insbesondere in Kombination mit Lichtblitzen, dichtem Rußregen (schwarze Punkte) oder einem dunklen Schatten, der sich wie ein Vorhang ins Blickfeld schiebt, zögern Sie nicht. Suchen Sie in diesem Fall sofort eine Augenarztpraxis oder den augenärztlichen Notdienst auf.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)


Ersetzt der Amsler-Test die augenärztliche Vorsorge?

Nein. Der Test überprüft einen sehr wichtigen, aber kleinen Bereich des Sehens. Er dient als wertvolle Ergänzung für zu Hause zwischen den regulären Kontrollterminen bei Ihrem Augenarzt.

Kann ich den Test auch am Smartphone oder PC-Bildschirm machen?

Grundsätzlich ja, allerdings ist die gedruckte Variante auf Papier verlässlicher. Bildschirmgrößen, Helligkeit, Zoomstufen und Betrachtungsabstände variieren digital stark, was den wöchentlichen Vergleich erschwert.

Ich sehe seit Jahren eine leichte Unregelmäßigkeit, muss ich mir Sorgen machen?

In der Medizin gilt: Die Veränderung ist entscheidender als ein stabiler Befund. Eine Unregelmäßigkeit, die seit Jahren unverändert bleibt, wird anders bewertet als eine neu aufgetretene Verzerrung. Bei Unsicherheiten werfen wir bei veni vidi gerne einen beruhigenden Blick darauf.

veni vidi: Ihre Experten für Augenheilkunde in Köln & Umgebung


Ob zur routinemäßigen Vorsorge, zur Verlaufskontrolle einer bekannten Makulaerkrankung oder zur schnellen Abklärung neu aufgetretener Sehveränderungen: Das Fachärzteteam von veni vidi nimmt sich viel Zeit für Sie und Ihre Augengesundheit.