Wissenschaft Augenheilkunde

Ansichtssache – So geht räumliches Sehen

Zum räumlichen Sehen brauchen wir beide Augen. Sie liefern dem Gehirn minimal unterschiedliche Bilder, aus denen dann unser räumliches Sehen entsteht. Jedes Auge schickt zweidimensionale Bilder ans Sehzentrum, unser Gehirn setzt sie zusammen zu einem dreidimensionalen, „tiefenscharfen“ Bild. Wichtig ist die perfekte Koordination beider Augen zueinander, sie müssen aus der gleichen Achse das Objekt fixieren und Bilder in gleich guter Qualität liefern. Das räumliche Sehen wird auch „stereoskopisches Sehen“ genannt. Schon geringe Fehlstellungen und Veränderungen der Augen können das dreidimensionale Sehen stören.


Das räumliche Sehen müssen wir erst lernen. Wer je kleine Kinder beobachtet hat, wie sie nach Dingen zu greifen versuchen, versteht, dass das Erkennen von Entfernungen im Raum eine Lernerfahrung ist. Bis etwa zum sechsten Lebensjahr dauert die sensible Prägephase für die Sehfertigkeiten an. Sehfehler und -störungen müssen daher unbedingt in den ersten Lebensjahren diagnostiziert und behandelt werden.


Fußballer Wilfried Hannes hatte Glück, er verlor sein Auge erst im Jugendalter. Das räumliche Sehen hatte er gelernt, aufgrund der Erfahrungen konnte sein Hirn das fehlende Sehvermögen kompensieren und er wurde trotzdem ein erfolgreicher Spieler und Torschütze.

Der Fall von Licht und Schatten, Farbabstufungen sowie Perspektiven geben uns Aufschluss über den Raum. Erfahrungen und Erlerntes wirken beim Sehprozess ebenfalls mit. Insofern macht sich im normalen Leben die fehlende Sehleistung eines Auges nicht wirklich störend bemerkbar. Wohl aber wird bei feinmotorischen Arbeiten im Nahbereich ein Defizit spürbar. Deshalb sind Menschen mit eingeschränktem oder fehlendem räumlichen Sehvermögen nicht für alle Berufe geeignet.