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Schielen – Formen des Strabismus

Für das Gegenüber ist ein Schielender immer eine kleine Herausforderung: „In welches Auge soll ich nun schauen? In das, das mich anblickt, oder in das, welches sich wegdreht?“ Normalerweise schauen beide Augen beim Fixieren eines Objektes in die gleiche Richtung. Bei den verschiedenen Formen des Strabismus (Schielen) entsteht eine Unregelmäßigkeit in der Blickrichtung. Sie kann mit dem Zustand der Augenmuskeln zusammenhängen, mit der Impulsübertragung ans Gehirn, mit Erkrankungen oder Verletzungen des Sehapparates. Das schielende Auge kann nach oben, nach unten, seitwärts oder einwärts verdreht sein.


Die Mediziner unterscheiden verschiedene Schiel-Formen. Beim latenten Strabismus, auch Heterophorie genannt, spielt wahrscheinlich auch eine erbliche Veranlagung eine Rolle. Die Störung im Gleichgewicht der Augenmuskeln beim latenten Schielen ist meist minimal und wird von den Betroffenen unbewusst ausgeglichen. Bei Übermüdung, Stress oder zu viel Alkohol wird das Schielen überdeutlich und kann dann Beschwerden auslösen. Da die Folgen der Fehlstellung aber in der Regel minimal sind und mühelos kompensiert werden, besteht beim latenten Strabismus kein Therapiebedarf.


Beim manifesten Schielen (Heterotropie) weicht ein Auge ständig und dauerhaft von der Blickrichtung ab. Die Augenmuskeln sind nicht in der Lage, beide Augen auf den gleichen Punkt zu richten. Die Betroffenen sind auch nicht in der Lage, die Abweichung auszugleichen. Das Begleitschielen (Strabismus concomitans) muss daher medizinisch behandelt werden, weil das schielende Auge sonst eine Sehschwäche entwickelt. Das Lähmungsschielen (Strabismus paralyticus) entsteht nach einer Verletzung oder Entzündung, die Betroffenen sehen Doppelbilder und leiden unter Schwindel.


Weil ein Laie eine mögliche Augenfehlstellung nicht beurteilen kann, sollten gerade Babys und kleine Kinder zu allen Vorsorgeuntersuchungen gebracht werden. Spätestens mit zwei Jahren ist auch ein Besuch beim Augenarzt anzuraten. Je früher das Schielen festgestellt wird, desto besser kann es behandelt werden. Das therapeutische Eingreifen ermöglicht es den Kindern, ihre Sehfertigkeiten normal auszubilden. Schielen wächst sich nicht raus und ist auch kein kosmetisches Problem – im Gegenteil: Nicht behandelte Kinder haben lebenslang mit einer Sehbehinderung zu kämpfen.

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